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Mittwoch, 18. Januar 2017

Weisstannental - Doppelsäulenfall (WI4)

Ein kurzer Bericht von einem Tag, der mich zwecks einer Schulung der SAC-Fachgruppe Sanieren & Erschliessen ins Sarganserland führte. Bei dieser ging es um die offensichtlichen Themen und insbesondere gab es eine Ausbildung am Testgerät für Verbundhaken. Nein, ein solches habe ich nun nicht zuhause, aber falls es irgendwo potenziell unsichere Klebebolts zu testen geben sollte, ich kann die nötigen Kontakte schaffen. Anyway, danach blieb noch Zeit für etwas Auslauf. Aufgrund der frostigen Temperaturen wollten wir einen Augeschein im Weisstannental werfen und kletterten schliesslich eine Route im Schmonawald.

Hier geht's los, Blick auf die erste Seillänge am Doppelsäulenfall (WI3+).
Die Situation vor Ort präsentierte sich positiv, auch wenn man sicher noch nicht von Topbedingungen sprechen kann. Auf den meisten Linien ist Eis vorhanden, mancherorts ist dieses aber noch reichlich dünn und gerade in den steileren Passagen zeigt sich meist auch nur röhriges, grümscheliges Eis, welches oft auch noch stark wasserüberronnen ist. Dies übrigens notabene bei Temperaturen von -13 Grad auf dem Autothermometer. Dazu sind die flacheren Passagen meist komplett überschneit und aufgrund fehlender Begehungen auch noch nicht geputzt. Kommt noch hinzu, dass der Bach nicht gefroren ist und dessen Überquerung je nach Route ein mehr oder minder grosses Hindernis darstellt. 

Der noch nicht gefrorene Bach stellt ein Hindernis dar! Auch wenn's nur wie ein Rinnsal aussieht, so knietief ist der schon!
Am besten sahen die Bedingungen eindeutig für den Doppelsäulenfall (WI4) aus. Die Seez liess sich hier mit zwei, drei Hopsern vom einen zum anderen überfrorenen Stein trockenen Fusses meistern. Mit 60m langen Seilen lässt sich die Route gerade in zwei Seillängen erklettern. Die erste davon dürfte rund 80 Grad Steilheit erreichen und derzeit so im Bereich WI3+ anzusiedeln sein. Es folgt ein bequemer Stand links aussen an einem Baum. Die zweite Seillänge beginnt sehr einfach und führt dann über eine Stufe hinauf zur Säule. Hier endeten die Begehungsspuren bei einer Abalakov, uns fiel also die Saison-Erstbegehung zu. Über etwa 8-10m geht's hier senkrecht zur Sache, bei derzeit noch nicht idealen Bedingungen. Links und rechts wäre eine heftige Dusche fällig gewesen, mittig gab's einen trockenen Streifen, wo jedoch erst das wenig solide, luftig gewachsene Eis abgeräumt werden musste. Aktuell ist diese Stelle schwerer als die im Topo angegebene WI4 einzustufen.

Blick auf die zweite Seillänge am Doppelsäulenfall. Der Akteur in der Crux, die derzeit schwerer wie WI4 ist.
Nach einer Stunde Kletterzeit waren wir bereits am Top angelangt. Nun waren es nur wenige Schritte zur Waldstrasse hinauf, über welche man bequem in wenigen Minuten zur Strasse hinunter absteigt. Eine Viertelstunde später waren wir zurück beim Auto angelangt. Tja, nun hätte man eigentlich gleich erneut einsteigen können. Am Hauptfall und auch in den WI3-Routen rechts davon hätte man sicher eine kletter- und absicherbare Linie gefunden. Für uns war die Uhr aber leider bereits abgelaufen und die Heimreise war fällig. Toll aber, dass wir noch Zeit und Gelegenheit gefunden hatten, um die Theorie mit etwas (wenn auch verbundhakenfreier) Praxis anzureichern.

Das wäre das nächste, offensichtliche Ziel, der Hauptfall (WI4). Zur Zeit sind die Bedingungen sicher auch noch nicht optimal. Die flacheren Passagen überschneit, die steileren (insbesondere die Abschlussäule) dünn und noch wenig solide. Wobei, wer's drauf hat kommt hier sicher rauf.
Facts

Weisstannental / Schmonawald - Doppelsäulenfall (D II WI4) - 2-3SL, 110m - ***
Material: 8-10 Schrauben, 60m Einfach- oder Doppelseil

Beliebte Eiskletterei im gerne besuchten Schmonawald, die überdies in der Regel auch noch als einer der ersten Fälle brauchbare Bedingungen aufweist. Eine erste Länge führt im verschärften Genussbereich zu einem bequemen Stand. Die zweite Seillänge beginnt einfach und führt zum Prunkstück der Route, der abschliessenden, knapp 10m hohen Säule. Mit einem Einstieg unmittelbar neben der Strasse, der gegebenen Rückzugsmöglichkeit, dem bequemen Abstieg über die Waldstrasse und der weitestgehenden Absenz von objektiven Gefahren darf man hier sicherlich von einer Plaisir-Eistour sprechen. 

Hier der Doppelsäulenfall in seiner ganzen Pracht, vom Parkplatz aus gesehen.

Samstag, 14. Januar 2017

Cascata da Cavloch (WI5)

Der Winter hatte lange auf sich warten lassen, doch just jetzt wo die Gelegenheit zum Eisklettern da war, schüttelte Frau Holle ihre Kissen wie verrückt. In weiten Teilen der Schweizer Alpen war die Lawinengefahr auf Stufe 4 und bei Neuschneemengen von bis gegen 100cm macht das Eisklettern auch nicht mehr so richtig Spass. Von diese Wetterkapriolen einigermassen ausgenommen waren die Bündner Südtaler. Hier fielen nur 10-15cm Schnee, die Lawinengefahr blieb auf Stufe 2, da ging noch was. In unserem Fall die formidable Cascata da Cavloch, sie bietet 250m genüssliches Eis und einen Couloiraufstieg von 150hm, welchen man seilfrei gehen kann.

Der Blick auf die Cascata da Cavloch (WI5), da wird dem Eiskletterer warm ums Herz!
Nun ja, das Engadin und erst recht das Val Forno liegen leider von mir daheim aus nicht gerade um die Ecke. Da aber mein Seilpartner sowieso auf dem Weg ins Engadin war, wollte ich die weite Reise anpacken. Auf der langen Bahnfahrt zurück (welche genau jetzt stattfindet), bleibt dann ideal Zeit für den Tourenbericht, das Erledigen der Korrespondenz und etwas Arbeit. Wie beschrieben, nach Maloja ist es ja eh schon ziemlich weit. Nicht kürzer wird die Fahrzeit natürlich, wenn man mit einem Wohnmobil und dann gerade noch im heftigsten Schneetreiben unterwegs ist. Das Tempo war meist beschaulich, auch sonst lief nicht alles glatt. Beim Ketten aufziehen gab's prompt einen Defekt, stecken gebliebene Fahrzeuge sorgten für weitere Verzögerung. Aber um 11.30 Uhr liefen wir dann schliesslich in Maloja los, dies notabene bei milchig scheinender Sonne.

Monochrome Töne bei unserer Wanderung in das Val Forno hinein - geniale Stimmung!
Der Zustieg wird in den Kletterführern mit 2 Stunden angegeben, eben kurz ist die Cascata auch nicht wirklich und so hiess es vor allem eins: Gas geben und Stirnlampe einpacken. Das Strässchen zum Lägh da Cavloc ist im Winter als Wanderweg und Langlaufloipe präpariert, hier kann man immer zu Fuss gehen. Nach 35 Minuten war der zugefrorene See erreicht und die Kaskade rückte ins Blickfeld. Super sah es aus, was die Motivation zum Einstieg heraufzukeuchen gleich nochmals erhöhte. Etwa 100m nach dem (geschlossenen) Restaurant verlässt man den Weg, überquert die Ebene gegen den Eisfall hin, traversiert den Fluss und dann sind es noch ca. 160hm zum Einstieg. Bei viel Schnee kann dieser Aufstieg sicher anstrengend sein, Skis oder Schneeschuhe mitzunehmen lohnt sich aber vermutlich doch eher nicht. Lawinentechnisch ist's unkritisch, die Hänge sind unter 30 Grad steil. Nach einer Stunde ab dem Parkplatz hatten wir den Einstieg erreicht. Nun hiess es aufrödeln und Achtung, Fertig, Los! Um möglichst effizient voranzukommen wollte, ich die ganze Route vorsteigen.

Die Perspektive von dort, wo es bald losgeht! Hier sichtbar die ersten 2 Seillängen, total ca. 80 Klettermeter.
L1, 40m, WI3+: der untere Teil der Cascata sieht super aus und klettert sich auch so. Extrem breit gewachsen, homogen in der Steilheit, absatzlos, super Ambiente. Es lohnt sich, bereits etwa nach 40m bei einer Verflachung Stand zu machen. Nachher kommt nicht so bald wieder eine gute Gelegenheit und bis zum Ende des ersten Abschnitts sind's vom Einstieg rund 80 Klettermeter.

Sven folgt in L1 (WI3+), super Ambiente an diesem riesigen Eismonster.
L2, 40m, WI3+: ähnlicher Charakter wie die erste Länge. Nie extrem, immer gut zu machen und ein grosser Genuss. Das Eis war von guter Qualität, der neu gefallene Schnee störte nicht gross. Je nach Linienwahl softer oder härter - aber gang geng gredi ist hier doch die richtige Strategie.

L3, 50m, WI3-4: erst ein kurzes Flachstück über Schnee, dann leichtes Eis und schliesslich ein Aufschwung. Je nachdem, ob man links herum die schwächste Linie wählt oder lohnend direkt hinaufklettert, variiert die Schwierigkeit zwischen WI3 und WI4. Stand macht man, wo das Eis aufhört und das Schneecouloir anfängt.

Ausblick auf L3, die Tigerlinie checkt bei etwa WI4 ein, mit Auskneifen ist's auch einfacher zu haben.
L4, ca. 150hm, WI2 und 40-45 Grad: Die ersten Meter von der unteren Kaskade weg können heikel sein und sind exponiert, allenfalls kann man an den Büschen rechts oben nochmals nachnehmen. Das Couloir zum oberen Abschnitt hinauf kann man bei geeigneten Verhältnissen gut seilfrei begehen. Es stellen sich 2 Eisstufen (5m, 15m) in den Weg, wo man auch sichern könnte.

Blick vom Ende von L3 auf die obere Stufe (links WI5, rechts WI4). Von hier sieht das alles bubieinfach aus und das Couloir beinahe flach. Wie so oft, die Perspektive täuscht. Wer es auf diesen 40 Grad steilen Schneehängen im Vordergrund ganz dumm anstellt, kann sogar einen nicht zu stoppenden Sturz fabrizieren.
L5, 50m, WI5: im oberen Teil gibt es 2 Varianten. Links die Kerze, welche auf etwa 20m nahezu senkrecht ist und mit WI5 bewertet wird. Die etwas weniger steile Mauer rechts geht als WI4 durch. Wir wählten die Kerze, welche an sich tiptop zu beklettern war - wobei es wie immer einen ziemlich grossen Unterschied macht, ob man eine WI5 als allererster klettert oder man wie z.B. in Kandersteg oder Cogne schon alles schön ausgehackt vorfindet. Teilweise tropfte es auch noch, ich konnte nicht immer ausweichen... und prompt gab's nasse Handschuhe und bei Temperaturen von -12 Grad prompt einen so richtig vaterländischen Kuhnagel.

Schwierig einzufangen, wie die WI5-Länge wirklich ist. Jedenfalls auf 20m kompromisslos steil!
L6, 25m, WI2: Wenn es (noch) nicht allzu viel Schnee hat, kann man noch in einfachem, gestuftem Gelände bis zum Ende des Eises klettern. Im Vergleich zu den vorherigen Seillängen fällt diese ab, andererseits ist sie auch schnell erledigt.

Wen erstaunt's, bis wir oben waren war es 17 Uhr und es ging mit dem Tageslicht natürlich schon rapide dem Ende entgegen. Das war von vornhinein klar, aber deswegen auf die Cruxlänge zu verzichten wäre auch schade gewesen, vor allem weil das Abseilen im Dunkeln jetzt ja auch kein grösseres Hindernis darstellt. Eingerichtet ist allerdings rein gar nichts, und man muss zwingend Abalakovs drehen. Einige hatte ich im Aufstieg schon vorbereiten können, trotzdem zieht es sich. Im Couloir sind wir soweit wie möglich zu Fuss abgestiegen, die beiden Eisstufen und das letzte Stück zur unteren Kaskade seilt man jedoch sinnvollerweise ab, was dann insgesamt 8 Manöver und eben auch Abalakovs ergibt. Prompt passierte der nächste Event mit leichtem Sch...-Faktor: wir hatten beide einen Draht dabei, beide sind zerbrochen. Kruzifix nochmal! Somit dauerte es halt dann doch ein bisschen länger, bis das Seil jeweils ergrübelt war. Aber spielte ja keine Rolle mehr, es war ja eh schon dunkel. Ein Hinweis noch, falls jemand demnächst hingeht: ich habe nur bei den abziehtechnisch kritischen Abseilstellen eine Schlinge gefädelt, bei den anderen haben wir das Partieseil durchgezogen.

Eine letzte Impression von der Cascata da Cavloch.
Ohne Pause und mit dem kompletten Gear auf Mann traten wir dann den Rückweg an. Der zog sich gefühlt noch ziemlich in die Länge! Schon erstaunlich, wie kurz einem der Zustieg vorkommen kann, wenn man topmotiviert und voller Vorfreude auf eine Tour ist. Aber auch den Rückweg haben wir natürlich geschafft. Blöd war dann hingegen eher, dass der Wagen nicht mehr ansprang, als der Zündschlüssel gedreht wurde. Nochmals etwas Aufregung, etwas hin und her. Schliesslich klappte es aber doch noch und wenn ab jetzt nichts mehr schiefgeht, dann lege ich mich auch bald schon gehörig müde ins Bett. Ja, heute war nicht ganz alles rund gelaufen, aber auch nichts entscheidendes schief. Der Plan mit der Cascata da Cavloch war jedenfalls super aufgegangen und hatte eine höchst zufriedenstellen Eisklettertag ergeben.

Abstrakte Kunst? Tja, heute war nicht alles rund gelaufen, nur meine Schlinge rund gefroren. Aber ein super Tag!
Facts

Val Forno - Cascata da Cavloch (TD- III WI5 45°) - 5 SL, 250m Eis + 150hm Schneecouloir - ****
Material: 2x50m-Seile, 12-16 Schrauben, Material für Abalakovs

Eher selten begangener Eisfall im landschaftlich schönen Val Forno. Dass hier nicht viele Besucher vorbeikommen, liegt natürlich an der Lage weit abseits der grossen Ballungszentren. Teilweise sind auch die Angaben in den Kletterführern etwas pessimistisch ausgefallen. Natürlich kann man auf dem Zustieg zwei Stunden verbraten, vor allem wenn sehr tiefer Schnee liegt. Eigentlich sind es aber nur gerade 250hm Aufstieg, so dass es auch in einer Stunde zu machen ist. Wenn es sehr viel und tiefen Schnee hat, ist man hier sowieso nicht unbedingt am richtigen Ort. Es handelt sich um alpines Gelände in der steilen Westflanke des Piz da la Margna (3159m). Die Exposition ist WSW, somit ist auch zu berücksichtigen, dass hier ab Mittag die Sonne diese Hänge erreicht. Darüber hinaus erachte ich die Cascata da Cavloch aber nicht überaus extrem lawinengefährdet. Die Hänge zum Einstieg und oberhalb der zweiten Stufe sind weniger als 30 Grad steil. Das Couloir dazwischen hingegen schon, überaus kritisch ist es jedoch sicher nicht. Trotzdem sollte man hier schon wissen, was man macht. Es ist sicher keine jederzeit machbare Plaisirtour unmittelbar neben der Strasse - sondern eine genüssliche Eistour in alpinem Ambiente, wo man auch für Standplätze und den Rückweg über die Tour komplett auf seine eigenen Fähigkeiten vertrauen muss.

Mittwoch, 11. Januar 2017

Jahresrückblick 2016

Während draussen gerade der erste Schneesturm im Winter 16/17 tobt, schreibe ich meinen traditionellen Jahresrückblick. Trotz teilweise ungünstigen Voraussetzungen wurde es doch ein unverhofft tolles Kletterjahr, gewürzt mit schweren Sportklettereien, lässigen MSL-Routen und herausfordernden Bohrprojekten. Touren in Schnee, Eis und mit Ski gab es aufgrund des warmen Winters und dem Fokus auf familientaugliche Aktivitäten hingegen nicht so viele. Zum Bergsteigen kam ich zwar durchaus, aber halt meist in wenig bekannten, exotischen Nordwänden. Vielleicht ist es genau das, was im 2016 in meinem Palmares am meisten fehlt - ein grosser Knaller, wo man jeder weiss, was es geschlagen hat.

Sportklettern

Dieses Jahr war es mit dem Sportklettern ein bisschen ein Kreuz: als die Saison im Februar so langsam ins Rollen kam, erwischte mich eine heftige Grippe, welche mich 4 Wochen lang vom Klettern und ernsthaften Trainieren abhielt. So war der ganze Aufbau aus dem Winter futsch, und ich konnte erst auf die Osterferien hin wieder aktiv sein. Eine brauchbare Kletterform kam zum Glück schneller zurück wie befürchtet, meine Bemühungen in den folgenden Wochen und Monaten wurden jedoch durch das regnerische Wetter stark behindert. Aufgrund der starken Niederschläge waren diverse meiner Projekte wegen durchdrückendem Wasser dauernass. Erst im Sommer und Herbst konnte man dann so richtig Gas geben, und dies gelang mir auf eindrückliche Weise: zum Jahresende stehen 1x 8b+, 1x 8a+, 5x 8a und 19 Routen im Bereich 7c/7c+ zu Buche. So erfolgreich war ich nie zuvor und wie es scheint, habe ich ein Rezept gefunden, trotz bereits langer Karriere im Klettersport und fortgeschrittenem Alter noch etwas vorwärts zu kommen. Ja richtig, darüber wollte ich eigentlich einmal noch ausführlich schreiben - aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Besonderen Dank gebührt an dieser Stelle meiner Familie und insbesondere meinem Vater, die immer dabei sind, wenn's irgendwo ein Projekt anzugreifen gilt. Sportklettertrips unternahmen wir im 2016 ins Tessin (2x), ins Ötztal, in die Dauphiné und nach Oltrefinale. Im 2017 wird's ganz sicher wieder ein paar solche Reisen geben, worauf ich mich bereits jetzt sehr freue. Ansonsten bin ich motiviert, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. Was sich dann als Ernte einfahren lässt, werden wir ja sehen...

Sportklettern mit Familie: steiler Fels, sonniges Ambiente und nachher noch ein gemütliches Bad - ein Genuss!

MSL-Klettern

Wenn ich darüber reflektiere, so scheint es mir fast unglaublich, was sich in dieser Saison alles ergeben hat. Mit Start am 22. Mai und Ende am 28. Dezember konnte ich 25 MSL-Routen klettern. Viel davon verdienen eine Spezialerwähnung an dieser Stelle. Besondere Freude machte es, in der Django (7c, Gonzen), der Queen of Desert (7a+, Engelhörner) und der Duracell (7b, Titlis Nordwand) jeweils die erste Wiederholung schnappen zu können. In die Rubrik "Schwieriges Alpines Sportklettern" fallen insbesondere die Rätikon-Routen New Age (8a+) und Hannibals Alptraum (8a), sowie die bouldrige Granitroute Jack Daniels (7c+, Sandbalm) - das war die vielen Schweisstropfen mehr als wert, die es zum Erlangen des erforderlichen Kletterniveaus brauchte. Insgesamt konnte ich von meinem gesteigerten Sportkletterniveau natürlich generell für MSL-Vorhaben profitieren. So gelangen mir z.B. in den 7b-Touren Triplano (Dolomiten), Rittergold (Schlossberg), Speck-Kante (Ruchstock), Duracell (Titlis) komplette Onsight-Begehungen, die einfacheren Touren gelangen mir sowieso fast alle in diesem befriedigensten "kam, sah, kletterte" Stil. Was gilt es in dieser Rubrik noch zu erwähnen? Unsere Dolomiten-Ferien waren leider aufgrund instabiler Wetterlage gemessen an meinen Wünschen und Träumen nicht ganz so erfolgreich und liessen nur einige kürzere, aber immer noch lässige Touren zu. Weiter ertönt bei unseren Kindern immer öfter der Wunsch, bei diesen Touren auch dabei sein zu wollen. Dem wird natürlich gerne entsprochen. Während wir dabei im Moment noch auf moderate Unternehmungen im Plaisir-Bereich eingeschränkt sind, male ich mir hin und wieder aus, was für erfreuliche Zukunftsperspektiven das mittel- und langfristig noch mit sich bringen könnte...

Auch noch eine MSL aus dem 2016, wo ich es noch nicht geschafft habe, einen Blog darüber fertigzustellen. Wer erkennt's?

Bohren

Schaut man auf meiner Erstbegehungs-Seite nach, so sind dort auffallend weniger Punkte gelistet wie in den Vorjahren. Gehen also langsam die Ideen und das Felspotenzial aus? Nein, das wäre ein falscher Eindruck! Es ist eher ein Ressourcenproblem: Arbeit, Familie, Sportkletterprojekte, MSL-Wiederholungen, Eis, Bergsteigen et cetera, alles kann man einfach nicht machen. Eingebohrt habe ich im 2016 drei Klettergartenrouten (Galerie, Voralpsee, Ibergeregg), worüber auch einmal noch auf diesem Blog berichtet werden sollte. Wobei die Zahl 3 genau genommen nicht stimmt, denn eigentlich habe ich 5 Klettergartentouren eingerichtet, 2 davon konnte ich bisher jedoch noch keine RP-Begehung abringen - kommt aber hoffentlich noch. Im MSL-Bereich ist das ganz grosse Highlight sicherlich die Prix Garantie (7 SL, 7c) im Rätikon, welche sich erfolgreich abschliessen liess und dem alten Vater sogar einen Eintrag in der Rubrik "Stark & Schnell" im SAC-Monatsheft "Die Alpen" beschert hat, hihi. Noch ausstehend ist der Bericht zur Blues in my Shoes (6 SL, 7a) an der Schafbergwand im Alpstein - er folgt demnächst. Die Route bietet aber jetzt schon eine prima Steilplattenkletterei auf hervorragend rauem Fels mit Rätikon-Charakter. Sie wurde im Herbst 2016 von einigen Insidern und Bekannten bereits wiederholt, an dieser Stelle findet man die notwendigsten Infos für eine Wiederholung. Sodann habe ich zusammen mit Werner Küng eine neue Baustelle in Angriff genommen, wo man im 2017 mit einem Abschluss rechnen darf. Ebenso hoffe ich, mein immer noch ausstehendes Projekt in der Eigernordwand im 2017 finalisieren zu können.

Die eine oder andere Route hat Globi, der Felsenputzer schon hin und wieder parat! Schafbergwand, Bild: H. Tobler.

Eis- und Mixedklettern

Ohne Fleiss kein Eis, so heisst nicht nur eine der wenigen Eis-Routen, welche ich im 2016 klettern konnte (ebenfalls eine Erstwiederholung), sondern das gilt als Motto für den ganzen Winter. In der Nähe und in tiefen Lagen stellten sich nie gute Bedingungen ein. So musste man sich eben mit einer Route am Guggernüll, ein paar Metern im Tösstal und der erwähnten Tour im Brunnital zufrieden geben. Oder dann setzte man seine Eisgeräte nicht ganz bestimmungsgerecht im Fels ein. Dies taten wir einerseits mit der Dreh den Swag auf (M8+) an der Breitwangflue - wow, das war ein absoluter Oberknaller!!! Und irgendwie auch die Belohnung für ein gegenüber früher deutlich intensiviertes Drytool-Training. Des Öfteren wurde die Pickelhauen in gebohrte Löcher und schlammige Felsritzen verkeilt, was bei mir schliesslich sogar zu einer RP-Begehung einer Route im Grad M9 resultierte, eine neue persönliche Bestleistung. Hier einmal noch eine zweistellige zu knipsen, das ist auch noch so ein Lifetime Goal. Ein gutes Sportkletterniveau ist dafür sicherlich hilfreich, reicht aber für sich alleine nicht aus - vor allem wenn man wie der Autor mit viel Gewicht, langen Hebeln und beschränkter Oberarmkraft alles andere als prädestiniert für diese Aktivität ist. Ich glaube aber doch, dass es in Sachen Rumpfstabilität, Schulter- und Oberarmpower ein ideales Entwicklungsfeld für spezifische Schwachstellen ist. Somit ist es vielleicht doch nicht nur Spinnerei, sondern Spinnerei mit Nutzen, dass wir uns an den grausigsten Wintertagen in den schlammigen Tiefen irgendwelcher Grotten und Höhlen betätigt haben, anstatt sich wie die meisten anderen der Bequemlichkeit der Kletterhallen hinzugeben. Gut, meistens ging ich dann nach dem Drytooling doch noch in die Kletterhalle, als Sicherungsbimbo mit der Familie und Freunden...

Ohne (Drytooling-)Fleiss kein Preis! Das passt irgendwie perfekt zum Eisklettern 2016...

Alpines

Bergsteigen, Fehlanzeige?!? Ja wirklich, beinahe. Ausflüge ins Hochgebirge habe ich 2016 fast gar keine gemacht. Als berufstätiger Familienvater ist's halt eben deutlich einfacher, 3x1 Tag abwesend zu sein, als 1x3 Tage am Stück. Zudem bieten Touren im Hochgebirge mit ihrer langen Anreise nach meinem aktuellen Gusto auch ein suboptimales Verhältnis zwischen Aufwand und tatsächlicher Kletterei. Der alpinste Ausflug im 2016 hat Kathrin und mich auf den Gipfel der Petites Jorassses (3650m) im Gebiet von Chamonix geführt. Und zwar via die über 20 Seillängen lange Tour Anouk (6c). Darüber hinaus zu erwähnen ist dann vor allem der Nordwand-Dezember 2016: am Säntis, am Graustock und am Bös Fulen gelangen fantastische Kraxeltouren, sehr eindrückliche Erlebnisse mit teils herausfordernder Kletterei, und dies weit abseits vom Rummel der 4000er-Normalwege. Und dann natürlich noch der Knaller mit dem dunklen Turm in der Gross Ruchen Nordwand (Bericht folgt). Gilt das jetzt als Eis-, Fels-, Mixedklettern oder Bergsteigen?!? Irgendwie auch egal, Hauptsache draussen. Mal sehen, ob's im 2017 endlich einmal mit der Heckmair in der Eiger Nordwand klappt, oder mit der Allain/Leininger in der Dru Nordwand, oder mit der Ginat an der Droites Nordwand. Dass ich ganz ohne bergsteigerische Ziele wäre, das ist dann doch nicht der Fall.

Hat Spass gemacht! Bergsteigen in der Nordwand des Gross Ruchen, definitiv ein Highlight im 2016!

Skitouren

Puh, ein dunkles Kapitel! Als die oberen Abschnitte meines Jahresrückblicks geschrieben wurden, hatte ich im Winter 16/17 und damit bis zum Ende des alten Jahres noch keine einzige Skitour durchgeführt. Aber gut, es hatte ja eigentlich auch keinen Schnee - ausser künstlich erzeugten auf den Pisten. Und diesen habe ich etwa gleich oft besucht, wie ich früher jeweils auf Skitouren war. Jedoch nicht zum Aufsteigen, sondern als Pistenfuzzy zum Abfahren. Sogar eine dafür geeignete Ausrüstung mit richtig feschen Rennbrettern habe ich angeschafft. Was ist denn da passiert?!? Es liegt ganz einfach an den Kindern, die halt sehr gerne und häufig Ski fahren wollen - und es inzwischen auch sehr gut können. Ich habe da so einen kleinen Jungen zuhause, Wahnsinn wie der Fährt - Speed, Mut und Kontrolle, an nichts von dem fehlt's, man könnte beinahe das Prädikat "extraterrestre" vergeben. Und ich muss sagen, ich geniesse diese gemeinsamen Skitage auch sehr. Wie auch immer, hier geht's ja aber um Skitouren. Nebst diversen, eher kurzen Voralpen-Touren in meiner nächsten Umgebung habe ich im Winter 15/16 genau 2 Stück gemacht, wo man dafür ein LVS mitnimmt, nämlich auf den Schilt und die Silberen, was ja eigentlich auch nur kurze Halbtagestouren sind. Dann gab's in den Auffahrtsferien noch die unverhoffte Tour auf den Granatenkogl (3318m), welche im 2016 konkurrenzlos das goldene Fell gewinnt. Endgültig eingesommert wurden die Tourenski allerdings erst, nachdem ich sie am 1. Juli am Furkapass noch zum Zustieg zur Kletterroute Don Bernardo am Gross Bielenhorn benutzt hatte.

Skitouren im Züri Oberland sind auch schön. Diese hier kann ich z.B. direkt mit den Skis an den Füssen von meiner Haustür angehen.
Somit schliesse ich an dieser Stelle meinen traditionellen Rückblick auf das vergangene Bergjahr. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt - ich bin da wie immer ohne besonders konkrete Ziele, da es in aller Regel ergiebiger, stressfreier und erfolgreicher ist, dem Moment zu folgen und die Chancen zu packen, welche sicher gerade präsentieren. 

Auf ein tolles Bergjahr 2017 und mit einem herzlichen Dank an alle meine Tourenpartner im 2016!